Hypsilophodon
Hypsilophodon: Warum starben so viele Tiere an derselben Stelle?
Über 150 Jahre lang war die Hypsilophodon-Bed ein Rätsel. Die Gesteinsschicht auf der Isle of Wight ist kaum zwei Meter dick. Trotzdem steckt sie voller Knochen eines einzigen kleinen Dinosauriers: Hypsilophodon foxii. Lange galt das als Beleg für ein Herdensterben. Ertrunken in einer Flut, vermutete man, oder steckengeblieben im Schlamm. Eine Studie von 2024 zeichnet ein anderes Bild – deutlich weniger dramatisch.

Auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Wissenschaftlicher Name | Hypsilophodon foxii |
| Länge | 2,15 m |
| Gewicht | 21 kg |
| Fundort | Isle of Wight, Südengland |
| Zeitalter | Unterkreide (Barremium), vor ca. 125 Mio. Jahren |
| Nahrung | Pflanzenfresser |
| Besonderheit | eine der individuenreichsten Dinosaurier-Fundschichten Europas |
Ein Sofa in Echsenform – aber nur so schwer wie ein mittelgroßer Hund. So lässt sich Hypsilophodon am ehesten vorstellen. Er war ein zweibeiniger Pflanzenfresser, klein selbst im Vergleich zu anderen Ornithopoden. Trotzdem zählt er zu den am besten erforschten Tieren seiner Gruppe. Der Grund liegt in der Fundschicht, die seinen Namen trägt.
Ein Fund, den man erst für einen jungen Iguanodon hielt
1849 stießen Arbeiter auf der Isle of Wight auf einen Sandsteinblock voller Knochen. Man hielt sie zunächst für die eines jungen Iguanodon – dem damals schon bekannten Riesen aus derselben Formation. Der Sammler William Fox trug in den Folgejahren weitere Fossilien aus derselben Schicht zusammen. Erst 1869 erkannte Thomas Henry Huxley: Das war eine ganz neue Art. Er benannte sie nach ihrem Entdecker Fox.
Starb hier eine ganze Herde auf einen Schlag?
Genau das vermuteten Forschende jahrzehntelang. Die Fundschicht enthält fast nur Hypsilophodon-Knochen. Manche Exemplare liegen dicht beieinander auf derselben Steinplatte. Naheliegende Erklärung: eine Herde, die gemeinsam in einer Flut ertrank – oder im weichen Uferschlamm steckenblieb.
Eine Studie von 2024 widerspricht dem, veröffentlicht im Journal of the Geological Society. Marie Marsden und ihr Team werteten dafür die Gesteinsschichten am Aufschluss neu aus. Sie untersuchten außerdem das Gestein an 57 Museumsexemplaren in London. Ihr Ergebnis: Die Knochen liegen über die gesamte Fundschicht verteilt, räumlich wie zeitlich. Die Schicht ist gut einen Kilometer lang. Das spricht gegen ein einziges Katastrophenereignis. Und für eine allmähliche Ansammlung über längere Zeit.
Auch die Erhaltung der Knochen passt dazu. 85 Prozent der untersuchten Skelette sind zu weniger als einem Zehntel vollständig. Gleichzeitig zeigen fast 80 Prozent der Knochen keine Abnutzungsspuren durch Transport. Die Tiere wurden also kaum weit fortgespült. Sie starben wohl in der Nähe der Fundstelle. Manche blieben eine Weile offen liegen, bevor Sediment sie bedeckte.
Warum ausgerechnet Hypsilophodon – und sonst fast niemand?
Bleibt die eigentliche Frage: Warum enthält die Fundschicht kaum andere Tiere? Die Studie nennt drei mögliche Gründe, die sich nicht ausschließen. Erstens ein Verhaltensgrund. Hypsilophodon könnte die Flussebene bevorzugt aufgesucht haben – etwa wegen einer besonders schmackhaften Pflanze. Zweitens Dürre: Sie lässt wasserabhängige Tiere gehäuft an denselben Feuchtstellen sterben. Drittens Größenselektion. Fußspuren in derselben Schicht zeigen: Auch deutlich größere Dinosaurier zogen regelmäßig durchs Gebiet. Vermutlich waren es Sauropoden, mit bis zu einem Meter breiten Abdrücken. Nur blieben von ihnen keine Knochen erhalten. Ihre kräftigen Beine bewahrten sie wohl eher vor dem Steckenbleiben als das kleine, leichte Hypsilophodon.

Hypsilophodon
| Fortbewegung: | Zweibeinig |
| Nahrung: | Pflanzenfresser |
| Länge: | 2,15 m |
| Höhe: | 0,5 m |
| Gewicht: | 21 kg |
Eine Landschaft im Wandel – und eine Fundstelle, die langsam verschwindet
Die neue Untersuchung zeigt noch mehr: Die Umgebung veränderte sich im Lauf der Zeit. Aus einer gut durchlüfteten Flussebene wurde nach und nach ein Sumpf. Später entstand daraus eine Schlickfläche am Rand einer Lagune.
Die Fundstelle tritt bis heute in Steilklippen an der Südwestküste der Isle of Wight zutage. Dabei schrumpft sie stetig. Ein Vergleich historischer Karten von 1862 mit aktuellen Aufnahmen zeigt: Die Küstenlinie ist im Schnitt um 73 Meter zurückgewichen. Rund 62.000 Quadratmeter Land sind bereits verlorengegangen. Das erklärt wohl auch, warum neue Funde heute seltener sind als im 19. Jahrhundert. Ein Teil der ursprünglichen Fundschicht ist inzwischen ins Meer gestürzt.
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- Iguanodon – lebte zur gleichen Zeit in derselben Gesteinsformation auf der Isle of Wight, war aber ein Riese im Vergleich zum kleinen Hypsilophodon.
- Camptosaurus – naher Verwandter aus einer übergeordneten Gruppe, lebte allerdings rund 20–30 Millionen Jahre früher in Nordamerika.



Bildquellen: Skelettrekonstruktion von Hypsilophodon, Brüssel: MWAK, Public domain, via Wikimedia Commons
Mantell-Bowerbank-Block.: Jos. Dinkel, Public domain, via Wikimedia Commons
Hipsylophodon_foxi_skull: Ghedoghedo, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons
Hypsilophodon_foxi: Ghedoghedo, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Common
Größenvergleich: User:Slate Weasel, Public domain, via Wikimedia Commons

