Apatosaurus
23 Meter lang, bis zu 33 Tonnen schwer: Apatosaurus zählt zu den größten Landtieren aller Zeiten. So viel wogen fünf bis sechs Elefanten zusammen. Trotzdem wird sein Name bis heute falsch übersetzt. Und er wird oft mit seinem berühmtesten Verwandten verwechselt.

Auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Gattung | Apatosaurus |
| Arten | 2 gesicherte Arten: Apatosaurus ajax (Typusart), Apatosaurus louisae |
| Länge | 21–23 m, große Exemplare bis 30 m |
| Gewicht | 16,4–22,4 t, große Exemplare bis 33 t |
| Fundort | USA: Colorado, Utah, Wyoming, Oklahoma |
| Formation | Morrison-Formation |
| Zeitalter | Oberjura, vor ca. 150–155 Mio. Jahren |
| Ernährung | Pflanzenfresser |
| Familie | Diplodocidae, Unterfamilie Apatosaurinae |
Wie heißt Apatosaurus eigentlich auf Deutsch?
„Trügerische Echse“ – nicht „kopflose Echse“, wie mancherorts zu lesen ist. Diesen Namen gab Othniel Charles Marsh dem Tier 1877. Der Grund: Die Schwanzknochen täuschten ihn. Sie ähnelten denen von Mosasauriern, nicht denen anderer Dinosaurier (en.wikipedia.org/wiki/Apatosaurus).
Mit einem fehlenden Kopf hat der Name also nichts zu tun. Die Verwechslung stammt wohl aus einer anderen, aber ebenfalls wahren Geschichte. Das berühmteste Apatosaurus-Skelett der Welt trug tatsächlich jahrzehntelang den falschen Kopf. Mehr dazu weiter unten.
Ein Körper für Rekorde
Auf einen winzigen Kopf folgte ein extrem langer Hals. Der Rumpf ruhte auf vier säulenartigen Beinen. Dahinter peitschte ein langer Schwanz. Die Vorderbeine waren etwas kürzer als die Hinterbeine. Am Vorderfuß saß eine einzige große Kralle. Am Hinterfuß waren es gleich drei.
Ein solcher Koloss braucht Leichtbau. Hals- und Rumpfwirbel bestanden zu über 60 Prozent aus Luft. Luftsäcke durchzogen sie, ganz ähnlich wie bei heutigen Vögeln.
Nur im Schwanz fehlt dieser Trick fast völlig. Genau dort wäre die Gewichtsersparnis mechanisch sinnvoll gewesen. Forschende fanden dort nur vereinzelte Luftkammern, dazwischen lange Lücken aus komplett luftfreien Wirbeln (Wedel & Taylor, 2013). Warum das so ist, bleibt bis heute ein Rätsel.
Spatelförmige Zähne rissen zähes Pflanzenmaterial ab, statt es zu kauen. Sie wuchsen laufend nach. Über eine Tonne Pflanzen fraß ein Apatosaurus wohl täglich. Gefressen wurde in Höhen bis zu 5 Metern über dem Boden. Zehenpolster wie bei Elefanten und ein herzförmiger Brustkorb belegen: Das Tier lebte an Land. Nicht im Sumpf, wie ältere Theorien einst vermuteten.
Warum trug das Museumsskelett 70 Jahre lang den falschen Kopf?
1915 montierte das Carnegie Museum in Pittsburgh sein Apatosaurus-louisae-Skelett. Ganz ohne Kopf: Ein passender Schädel war nie gefunden worden. 1932 bekam die Figur dann doch einen Kopf. Es war ein kurzer, stumpfschnäuziger Schädel im Stil von Camarasaurus – passend zur damaligen Fachmeinung.
Museumsdirektor William Holland zweifelte schon zu Lebzeiten daran. Er hielt einen schlankeren Schädel für richtig. Nach seinem Tod setzte sich das Museum aber über seine Meinung hinweg.
Erst 1978 griffen die Paläontologen David Berman und Jack McIntosh die Frage neu auf. Sie plädierten erneut für den schlanken Schädeltyp. Ein Fund bestätigte sie: eine noch im Verbund liegende Schädel-Hals-Einheit. 1979 bekam das Skelett endlich seinen richtigen Kopf – mehr als sieben Jahrzehnte nach seiner Entdeckung (Carnegie Museum of Natural History).
Apatosaurus und Brontosaurus: eine Gattung oder zwei?
1903 erklärte ein Forscherteam den Namen Brontosaurus für ungültig. Er sei nur ein Synonym von Apatosaurus, dessen Name zwei Jahre früher vergeben wurde. Über sieben Jahrzehnte blieb das die offizielle Lehrmeinung.
Erst 2015 kam die Wende. Eine große Vergleichsstudie von Tschopp, Mateus und Benson fand genug anatomische Unterschiede. Seitdem gilt Brontosaurus wieder als eigene Gattung (Tschopp et al. 2015, PeerJ). Beide Gattungen bleiben trotzdem nahe verwandt: Apatosaurus hatte einen deutlich robusteren, wuchtigeren Hals.

Leben in der Morrison-Formation
Apatosaurus lebte vor 150 bis 155 Millionen Jahren im heutigen Westen der USA. Die Landschaft: Flüsse, saisonale Überschwemmungen, dazu Nadelbäume, Palmfarne und Farne. Fossile Fährten zeigen mehrere Tiere, die in dieselbe Richtung liefen. Das spricht für ein Leben in Herden – Schutz vor Räubern wie Allosaurus inklusive. Junge Tiere wuchsen rasant: Schon nach 10 bis 15 Jahren erreichten sie ihre volle Größe.
Mehr zum Thema auf urzeittiere.net
Interessiert an den Riesen der Morrison-Formation? Dann lohnt sich der Artikel zu Brontosaurus: Er galt fast ein Jahrhundert lang als bloßer Doppelgänger von Apatosaurus. Auch der Artikel zu Brachiosaurus passt gut. Er teilte sich denselben Lebensraum, trug seinen Rücken aber giraffenartig geneigt statt waagerecht. Und wer wissen will, welcher Schädeltyp jahrzehntelang auf Apatosaurus-Skelette montiert wurde: Die Antwort steht im Artikel zu Camarasaurus.
Apatosaurus war ein Beispiel für die extreme Größe, die Landlebewesen erreichen konnten. Diese Sauropoden erreichten eine Länge von 21 bis 23 Metern und ein Gewicht von 16,4 bis 22,4 Tonnen. Größere Exemplare wurden bis zu 30 Meter lang und wogen bis zu 33 Tonnen. Der Körperbau des Tieres zeichnete sich durch einen kleinen Kopf auf einem extrem langen Hals, einen massiven Rumpf, der von vier säulenartigen Beinen getragen wurde, und einen langgestreckten Schwanz aus.
TL;DR Kurzinfos über Apatosaurus
Apatosaurus
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wissenschaftlicher Name |
Apatosaurus ajax |
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Geschätzte Größe |
Länge: 21–23 Meter Höhe: 5 Meter Gewicht: 16,4–22,4 Tonnen |
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Erdzeitalter |
Oberjura |
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Fundorte |
Morrison |
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Ordnung |
Saurischia |
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Unterordnung |
Sauropodomorpha |

Physische Merkmale
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Körperbau |
Sehr großer, massiver Sauropode mit langem Hals, langem Schwanz und vier säulenartigen Beinen |
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Besonderheiten |
Langer peitschenartiger Schwanz, Knochenplatten auf Rücken und Schwanz, sehr robuster Körperbau |
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Fortbewegung |
Vierbeinig |
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Hautstruktur |
Wahrscheinlich dicke, ledrige Haut wie andere Sauropoden (direkte Belege fehlen, aber wahrscheinlich) |
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Farbgebung |
Unbekannt; vermutlich erdige, unauffällige Töne zur Tarnung (Spekulation) |
Entdeckung
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Entdecker |
Marsh |
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Entdeckungsdatum |
1877 |
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Bedeutung des Namens |
Trügerische Echse |
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Bedeutende Fossilienfunde |
Mindestens ein Teilskelett mit fragmentarischem Schädel. |

In der Paläontologie wird oft das Verhältnis von Gehirn- zu Körpergröße, der sogenannte Enzephalisationsquotient (EQ), als grober Anhaltspunkt für die relative Intelligenz genutzt.
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Intelligenz (EQ) |
Sehr niedrig, EQ etwa 0,5 (typisch für Sauropoden) |
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Sozialverhalten |
Lebte vermutlich in Herden zum Schutz vor Fressfeinden |
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Fressfeinde |
Große Raubdinosaurier wie Allosaurus und andere Theropoden der Jurazeit |

Bildquellen:
Größenvergleich: Matt Martyniuk, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Apatosaurus louisae, Carnegie Museum: Tadek Kurpaski from London, Poland, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons




