Torosaurus
Torosaurus: Der Horndinosaurier mit dem Fensterschild
Ein Schädel von fast drei Metern Länge, dahinter ein Nackenschild mit zwei großen Fenstern: Torosaurus zählt zu den größten Horndinosauriern Nordamerikas. Er gehört zu den Dinosauriern mit besonders langem Nackenschild. Ob er überhaupt eine eigene Gattung war, streiten Forschende seit über zehn Jahren. Bei der Frage „Torosaurus oder Triceratops?“ halten ihn manche für einen ganz alten Triceratops.

Auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Name | Torosaurus („durchlöcherte Echse“) |
| Arten | Torosaurus latus und Torosaurus utahensis |
| Schädellänge | über 2 Meter, die größten Schädel fast 3 Meter |
| Gewicht | bis zu 6,5 Tonnen |
| Fundort | Wyoming, Montana, South Dakota und Utah (USA), Saskatchewan und Alberta (Kanada) |
| Zeitalter | spätes Maastrichtium, Ende der Oberkreide |
| Nahrung | Pflanzenfresser |
| Fossilien | sehr selten |
Torosaurus gehört zu den Chasmosaurinen. So heißt eine Gruppe der Horndinosaurier mit besonders langem Nackenschild. Er lebte zur selben Zeit und im selben Gebiet wie Triceratops und Tyrannosaurus Rex.
Wie ist der deutsche Name von Torosaurus?
Auch ich bin bei der Recherche auf eine falsche Übersetzung gestoßen!
Torosaurus heißt auf Deutsch meist „durchlöcherte Echse“ oder „durchbohrte Echse“. Der wissenschaftliche Gattungsname wird im Deutschen jedoch in der Regel unverändert als Torosaurus verwendet.
Der Name bezieht sich auf die zwei großen Öffnungen im Nackenschild des Dinosauriers. Er setzt sich aus dem griechischen toreo („durchbohren“, „durchlöchern“) und sauros („Echse“) zusammen. Eine Deutung als „Stier-Echse“ – abgeleitet von toro beziehungsweise taurus – gilt dagegen als nicht begründet.
Ein Nackenschild mit zwei Fenstern
Torosaurus lief auf vier Beinen und fraß Pflanzen. Mit bis zu 6,5 Tonnen wog er so viel wie ein großer Elefantenbulle. Vom Körper hinter dem Kopf ist allerdings kaum etwas beschrieben. Die Länge des ganzen Tieres nennt keine der ausgewerteten Studien.
Die Besonderheit sitzt am Kopf. Das Gesicht war lang, die Augenhörner weitgehend gerade. Die größten Schädel messen fast drei Meter. Das ist länger als ein Doppelbett.
Dahinter saß der Nackenschild, in Fachsprache Frill. Bei Torosaurus ist er lang und hat Fenster, bei Triceratops ist er kurz und massiv. Die Fenster sind fast kreisrund. Die Knochen dazwischen waren an einem Utah-Fund stellenweise dünner als 3 Millimeter – kaum mehr als eine Euro-Münze.
Trotzdem war der Schild riesig. Bei einem Fund aus Montana misst die Knochenspange im Schild gut zwei Meter.
Auch die beiden Arten sehen verschieden aus. T. latus hatte ein langes, spitz auslaufendes Schuppenbein und Augenhörner, die fast senkrecht nach oben zeigten. T. utahensis hatte ein kürzeres, hinten abgerundetes Schuppenbein und eine ungewöhnlich breite Hornbasis. Das Horn misst am erhaltenen Stück etwa 52 Zentimeter.

Wer entdeckte die „durchlöcherte Echse“?
Zwischen 1889 und 1892 sammelte der Fossilienjäger John Bell Hatcher in Wyoming Horndinosaurier für den Paläontologen Othniel Charles Marsh. Die meisten Funde waren Triceratops. Zwei Schädel passten nicht dazu. Marsh gab ihnen 1891 den Namen Torosaurus, auf Deutsch „Stier-Echse“.
Marsh fielen zwei Fenster im Nackenschild und lange, schmale Schuppenbeine auf. Den ersten Schädel nannte er T. latus, den zweiten T. gladius. Beide blieben jahrzehntelang die einzigen Exemplare.
1944 barg man in South Dakota einen dritten, besser erhaltenen Schädel. Er war kleiner als die beiden aus Wyoming. Danach galt T. gladius als Synonym von T. latus.
Gab es einen zweiten Torosaurus in Utah?
Ja, so sehen es die Fachleute seit 1976. Der Reihe nach: 1935 fanden Geologen in Utah die ersten Horndinosaurier-Reste der North-Horn-Formation. Zwei Expeditionen sammelten weiter. Am Ende lagen Skelettteile von elf Tieren vor.
Nur ein Fund war vollständig genug für einen Namen. Der Forscher Charles Gilmore ordnete ihn zunächst der Gattung Arrhinoceratops zu, mit einem Fragezeichen dahinter. 1976 stellte ihn Douglas Lawson zu Torosaurus, und alle späteren Arbeiten folgten ihm.
Eine Überraschung brachte die Neubeschreibung von 2005. Die Knochen des Holotyps lagen auf nur 11 Quadratmetern beieinander, stammen aber von mindestens drei Tieren.
Wie weit reichte Torosaurus?
Lange war unklar, wo Torosaurus überhaupt lebte. Viele Funde sind nur Bruchstücke. Ein Fragment aus Texas stuften Forschende später als unbestimmten Chasmosaurinen ein. Auch Funde aus New Mexico gelten nicht als sicher.
Zwei Nackenschilde aus Kanada galten lange als fraglich. Das eine fanden zwei Männer 1947 in Saskatchewan. Kurz nach der Bergung ergänzte man es mit Gips und Ton. Ein Team prüfte 2022 beide Schilde erneut und ordnet sie T. latus zu. Torosaurus reichte demnach bis nach Kanada.
Die kanadischen Funde stammen aus Schichten, die dem oberen Teil der Hell-Creek-Formation entsprechen. Die meisten aus Montana stammen aus der unteren Hälfte. Vielleicht lösten sich auch bei Torosaurus mehrere Arten ab, wie beim Triceratops. Belegt ist das nicht.
Torosaurus oder Triceratops? Die Unterschiede auf einen Blick
Torosaurus und Triceratops lebten zur selben Zeit im selben Gebiet. Trotzdem lassen sie sich am Schädel gut auseinanderhalten. Die Tabelle zeigt, worauf es ankommt.
| Merkmal | Torosaurus | Triceratops |
|---|---|---|
| Nackenschild | lang, mit zwei großen Fenstern | kurz und massiv |
| Zierknochen am Schildrand | zehn oder mehr | fünf bis sieben |
| Fossilfunde | sehr selten | häufig |
Der wichtigste Unterschied ist der Nackenschild. Bei Torosaurus ist er lang gestreckt und von Fenstern durchbrochen. Bei Triceratops ist er kurz und ohne Fenster.
Ob daraus zwei eigene Gattungen werden oder nur zwei Lebensphasen eines Tieres, ist umstritten. Im folgenden Abschnitt steht, was dafür und dagegen spricht..
War Torosaurus in Wirklichkeit ein ausgewachsener Triceratops?
Diese Frage beschäftigt die Fachwelt bis heute. Sie steht auch im Triceratops-Artikel. Hier die Sicht von Torosaurus aus.
Horndinosaurier veränderten Hörner und Nackenschild im Lauf ihres Lebens stark. 2010 kam daher die Idee auf, Torosaurus sei das Endstadium von Triceratops. Im hohen Alter, so die Vermutung, hätte der Schild lang gestreckte Fenster bekommen.
Drei Beobachtungen sprechen bisher dagegen.
Das Alter. Forschende ordneten Schädel nach ihrem Reifegrad. Beide Gattungen enthalten junge und alte Tiere. Ein sehr großer Torosaurus-Schädel von über 2,6 Metern gehörte danach zu einem Halbwüchsigen. Das ist umstritten, denn der Schädel ist stark mit Gips ergänzt.
Die Übergangsformen. Alte Triceratops-Schilde haben Vertiefungen an anderer Stelle und in anderer Form als die Fenster von Torosaurus. Auch die Zierknochen am Rand passen nicht. Eine saubere Zwischenstufe fehlt.
Der dritte Kandidat. Der Schädel Nedoceratops, den man als Zwischenstufe vorgeschlagen hatte, ist keine. Triceratops, Torosaurus und wohl auch Nedoceratops sind eigene Formen. Dass es kaum junge Torosaurier gibt, liegt laut dieser Studie schlicht daran, dass Torosaurus selten war.
Neu ist der Blick in die Knochen. Ein Oberschenkel aus Kanada wurde dünn geschliffen. Der Knochen war stark umgebaut, zeigte aber noch keine äußere Wachstumsgrenze. Das Tier war also noch nicht ausgewachsen. Auch sein Schild wuchs noch, und Zierknochen fehlten.
Formal ist der Streit nicht beendet. Ein sehr junges Tier mit Torosaurus-Merkmalen oder ein junger Triceratops mit Fenstern könnte ihn entscheiden. Gefunden wurde bisher keines von beiden.
Mehr zum Thema auf urzeittiere.net
- Triceratops – der häufige Zeitgenosse, mit dem Torosaurus oft verglichen und verwechselt wird.
- Tyrannosaurus Rex – fleischfressender Nachbar aus derselben Epoche und Region.
- Pentaceratops – ebenfalls ein Horndinosaurier mit gefenstertem Nackenschild.
- Arrhinoceratops – Verwandter aus Kanada, dem Gilmore die Utah-Funde zuerst zuordnete.
Bilquellen:
Torosaurus Skelett: David Wipf, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons
Schädelvergleich A – Triceratops; B – Torosaurus latus : Nicholas R. Longrich*, Daniel J. Field, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons

