Saurornithoides
Saurornithoides mongoliensis, die „Vogelähnliche Echse“
Beschreibung
Saurornithoides war ein ca 2 bis dreieinhalb m langer und ungefähr 35 bis 45 kg schwerer Dinosaurier. Fossilien dieses Dinos wurden in der Mongolei und Tadschikistan gefunden. Sein Name bedeutet soviel wie „Vogelähnliche Echse“. Er lebte während der Oberkreide von circa 80,6 bis 72 Millionen Jahren.
Saurornithoides war ein langbeiniges Raubtier, das auf seinen Hinterbeinen schnell laufen konnte und ein ausgezeichnetes Seh- und Hörvermögen hatte.
Dieser kleine Theropode ist Mitglied der Gruppe der Troodontidae, einer Gruppe von kleinen vogelähnlichen, grazilen Dinosauriern aus der Gruppe der Maniraptora (= „Handräuber“). Sein nächster Verwandter war wahrscheinlich die nordamerikanische Gattung Troodon.
| Steckbrief | Saurornithoides |
|---|---|
| Epoche | Oberkreide vor 80,6 bis 72 Mio. Jahre |
| Ordnung | Echsenbeckensaurier (Saurischia) |
| Unterordnung | Theropoda |
| Familie | Troodontidae |
| Gruppe | |
| Gattung | Saurornithoides |
| Art | Saurornithoides mongoliensis (Osborn, 1924) |
| Höhe | 0,8 Meter |
| Länge | 2 bis 3,5 Meter |
| Gewicht | 35 bis 45 kg |
| Fundorte | Mongolei, Tadschikistan |
Entdeckungsgeschichte
Die ersten Fossilien von Saurornithoides wurden von Chih, einem chinesischen Mitarbeiter der American Museum of Natural History-Expedition, am 9. Juli 1923 entdeckt. Das Gebiet in der Mongolei, in dem er die Versteinerungen fand, liegt bei Bayan Dzak (früher auch Shabarakh Usu genannt) in der Provinz Ömnögovi und ist unter der Bezeichnung Djadochta-Formation bekannt. Der dort geborgene, nicht vollständig erhaltene Schädel bildet bis heute den Holotypus der Art Saurornithoides mongoliensis und wird unter der Sammlungsnummer AMNH FR 6516 im American Museum of Natural History in New York aufbewahrt.
Namensänderung: Aus Saurornithoides junior wurde die neue Gattung Zanabazar
Lange Zeit galten Saurornithoides mongoliensis und Saurornithoides junior als zwei Arten derselben Gattung. Der Wissenschaftler Rinchen Barsbold hatte die zweite Art 1974 anhand eines Skeletts mit der Fundnummer IGM 100/1 beschrieben und sie aufgrund ähnlicher Merkmale ebenfalls der Gattung Saurornithoides zugeordnet.
2009 nahm ein Forscherteam um Mark Norell (Norell, Makovicky, Bever, Balanoff, Clark, Barsbold und Rowe) die Gattung Saurornithoides in einer umfassenden Übersichtsarbeit erneut genau unter die Lupe. Dabei stellte sich heraus, dass die anatomischen Belege nicht ausreichten, um S. junior tatsächlich derselben Gattung wie S. mongoliensis zuzuordnen. Die Forscher stellten für die zweite Art deshalb eine eigene, neue Gattung auf: Zanabazar. Seither trägt das Tier den wissenschaftlichen Namen Zanabazar junior.
Der neue Gattungsname ehrt Zanabazar, das erste geistliche Oberhaupt (Bogd Gegen) des tibetischen Buddhismus in der Mongolei. Mit einer geschätzten Schädellänge von rund 27 Zentimetern war Zanabazar junior sogar einer der größten bekannten Troodontiden Asiens – deutlich größer als sein Verwandter Saurornithoides mongoliensis. Heute gilt innerhalb der Gattung Saurornithoides deshalb nur noch die Typusart Saurornithoides mongoliensis als gültig.
Auch weitere, in der Vergangenheit Saurornithoides zugeschriebene „Arten“ erwiesen sich im Laufe der Forschung als ungültig: S. sauvagei (1928) beruhte auf einem Druckfehler, S. inequalis (1982) wird heute als Synonym von Troodon formosus geführt, S. asiamericanus (1991) wurde später zu Troodon asiamericanus, und die vermeintliche Art S. isfarensis (2000) stellte sich 2007 als Fossil eines Hadrosauriers heraus.
Aktuelle Forschung: Neuer Troodontiden-Verwandter Harenadraco prima entdeckt (2024)
Auch in der näheren Verwandtschaft von Saurornithoides tut sich etwas: Im Juli 2024 beschrieb ein Team um Sungjin Lee von der Seoul National University im Journal of Vertebrate Paleontology mit Harenadraco prima den ersten bekannten Troodontiden aus der Baruungoyot-Formation der Mongolei. Das Fossil (Sammlungsnummer MPC-D 110/119) wurde bereits 2018 am Fundort Hermiin Tsav in der Provinz Ömnögovi entdeckt und besteht vor allem aus Becken- und Hinterbeinknochen.
Harenadraco prima war mit rund einem Meter Länge deutlich kleiner als Saurornithoides und lebte vor etwa 72 bis 71 Millionen Jahren. Auffällig ist sein extrem schlankes Mittelfußskelett (Tarsometatarsus), das auf eine besonders schnelle, laufangepasste Lebensweise hindeutet – vergleichbar nur mit dem Troodontiden Philovenator. Stammesgeschichtliche Analysen ordnen Harenadraco als frühen Vertreter einer ansonsten rein chinesischen Troodontiden-Linie ein und damit als eine der am frühesten abgezweigten Linien innerhalb der gesamten Familie Troodontidae.
Mit Saurornithoides und Zanabazar teilt sich Harenadraco damit zwar den mongolischen Lebensraum und die Familie Troodontidae, gehört aber einem eigenen, entfernteren Zweig des Troodontiden-Stammbaums an. Der Fund schließt eine auffällige Lücke: Aus der Baruungoyot-Formation – die zeitlich zwischen der älteren Djadochta-Formation (Fundort von Saurornithoides) und der jüngeren Nemegt-Formation (Fundort von Zanabazar) liegt – war bis dahin kein einziger Troodontide bekannt.
Neu beschrieben: Der nordamerikanische Troodontide Dinevenator robustus (2026)
Auch außerhalb der Mongolei liefert die Troodontiden-Forschung 2026 einen bemerkenswerten Fund: Der Paläontologe Robert M. Sullivan entdeckte bereits im Sommer 2005 südlich von Kirtland im San Juan County (New Mexico, USA) einen ungewöhnlich massiven Schädelknochen. Zunächst 2006 als neue Art des Dromaeosauriers Saurornitholestes beschrieben, ordneten Evans und Kollegen den Fund 2014 den Troodontidae zu, stuften ihn dabei jedoch als nomen dubium – also als nicht eindeutig bestimmbar – ein. 2026 wurde er von Rivera-Sylva und Kollegen vorläufig der Gattung Xenovenator zugeordnet. Erst eine erneute, detaillierte Untersuchung durch Steven E. Jasinski und Robert M. Sullivan im Jahr 2026 zeigte, dass das Fossil (Sammlungsnummer SMP VP-1955) tatsächlich einer bis dahin unbekannten Gattung angehört: Dinevenator.
Der Gattungsname Dinevenator setzt sich aus „Diné“ – der Eigenbezeichnung der Navajo, auf deren angestammtem Gebiet im amerikanischen Südwesten das Fossil geborgen wurde – und dem lateinischen Wort venator („Jäger“) zusammen. Der Artname robustus verweist auf die auffällig dicken, robusten Schädelknochen, die diesen Troodontiden von seinen eher grazil gebauten Verwandten unterscheiden.
Das Fossil stammt aus dem De-na-zin-Member der Kirtland-Formation im San-Juan-Becken und wird auf ein Alter von etwa 73,4 bis 73 Millionen Jahren (spätes Campanium) datiert. Mit einer geschätzten Körperlänge von 2,4 bis 3 Metern und einem Gewicht von 70 bis 140 Kilogramm zählt Dinevenator robustus zu den größten bekannten Troodontiden überhaupt. Stammesgeschichtliche Analysen stellen ihn als frühesten Vertreter einer eigenen, „robusten“ Troodontinae-Linie gemeinsam mit Albertavenator curriei und Xenovenator espinosai dar – als Schwestergruppe zu grazileren Troodontinae wie Troodon formosus, Latenivenatrix mcmasterae und Stenonychosaurus inequalis.
Mit Saurornithoides und Zanabazar ist Dinevenator damit nur über die gemeinsame Familie Troodontidae verwandt: Beide mongolischen Gattungen gehören zur Unterfamilie der Saurornithoidinae, während Dinevenator einer eigenen nordamerikanischen Linie robust gebauter Troodontinae angehört. Der Fund zeigt aber eindrücklich, wie unterschiedlich sich Troodontiden auf verschiedenen Kontinenten entwickelten – von schlanken, großäugigen Nachtjägern wie Saurornithoides bis zu massiv gebauten Formen wie Dinevenator.
Was hat Saurornithoides gefressen
Saurornithoides hatte eine mittlere Schädellänge von 189 Millimetern.
Die Größe seines Schädels lässt Rückschlüsse auf seine Gehirnentwicklung zu. Er hatte im Verhältnis zu seiner Körpergröße ein sehr großes Gehirn und wohl einen der höchsten Enzephalisationsquotienten (EQ) von Nicht-Vögeln. Es wird vermutet, dass er verhältnismäßig fortgeschrittene Verhaltensweisen hatte. Zudem waren seine Sinne wie Hören und Sehen wahrscheinlich sehr gut ausgeprägt.
Wie alle Troodontiden hatte Saurornithoides eng beieinanderstehende Zähne im Unterkiefer sowie eine große Anzahl von scharfen Zähnen.
Er hatte einen schlanken Körperbau, besaß Sichelklauen und Greifhände.
An seinen Hinterbeinen hatte er eine einziehbare Klaue an der zweiten Zehe jedes Fußes. Diese Kralle war ähnlich der von Velociraptor überdimensioniert und gebogen.
Seine Augenhöhlen waren groß und deren Position lässt auf die Fähigkeit des stereoskopischen Sehens schließen. Dieses ermöglichte ihm eine effiziente Tiefenwahrnehmung.
Bei Licht hatte er wahrscheinlich eine vorteilhafte Sicht und seine Nachtsicht war ebenfalls hervorragend ausgeprägt.
Daraus lässt sich ableiten, dass Saurornithoides eine nachtaktive Lebensweise bevorzugte.
Wahrscheinlich begab er sich während der Dämmerung auf die Suche nach kleinen Säugetieren und Reptilien, seiner priorisierten Beute. Zudem standen wohl auch Dinosauriernestlinge und Eier auf seinem Speiseplan.

Besonderheiten
Saurornithoides und andere Troodontiden waren bei der Geburt hervorragend entwickelt und benötigten wahrscheinlich wenig bis gar keine elterliche Pflege.
Aufgrund vieler vogelartiger Merkmale wird von Wissenschaftlern angenommen, dass Saurornithoides von Federn bedeckt war.
Bildquellen: FunkMonk, CC BY 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by/3.0, via Wikimedia Commons
Größenvergleich: Audrey.m.horn, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons
Schädel: Ryan Somma, CC BY-SA 2.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0, via Wikimedia Commons
A restoration of Saurornithoides mongoliensis: Audrey.m.horn, CC BY-SA 4.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0, via Wikimedia Commons
Quellen:
Norell, M. A., Makovicky, P. J., Bever, G. S., Balanoff, A. M., Clark, J. M., Barsbold, R. & Rowe, T. (2009): A Review of the Mongolian Cretaceous Dinosaur Saurornithoides (Troodontidae, Theropoda). American Museum Novitates, 3654, S. 1–63. — ResearchGate / Internet Archive
Wikipedia (EN): „Zanabazar junior“
Wikipedia (EN): „Saurornithoides“ (Taxonomie-Abschnitt)
Sci.News: „New Bird-Like Dinosaur Unearthed in Mongolia“ (allgemeinverständliche Zusammenfassung)
Jasinski, S. E. & Sullivan, R. M. (2026): Dinevenator, a New Genus of Troodontid Dinosaur from the Late Cretaceous of New Mexico. Fossil Studies, 4(3), 21. — MDPI


