Allosaurus
Wie lang war Allosaurus? Je nach Skelett und Studie zwischen 6,4 und 10,4 Metern. Das ist der Unterschied zwischen anderthalb Mittelklassewagen und einem Linienbus. Allosaurus war der häufigste Raubdinosaurier der Morrison-Formation im Westen der USA (Foth et al. 2015). Und bis heute streiten Fachleute, wie viele Arten es gab.

Auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Name | Allosaurus (Gattung), bekannteste Art Allosaurus fragilis |
| Erstbeschreibung | Marsh, 1877 |
| Arten | drei anerkannt: A. fragilis, A. jimmadseni, A. europaeus. Eine vierte, A. anax, wurde 2024 vorgeschlagen |
| Länge | 6,4 bis 10,4 m je nach Exemplar, meist 7,4 bis 7,9 m |
| Gewicht | 0,7 bis 2,9 t je nach Studie, häufig 1,4 bis 1,7 t |
| Fundort | USA (Morrison-Formation), Portugal, Deutschland |
| Zeitalter | Oberjura, spätes Kimmeridgium bis spätes Tithonium |
| Ernährung | Fleischfresser |
| Fossilien | allein im Cleveland-Lloyd-Steinbruch (Utah) mindestens 46 Tiere |
Wie groß war Allosaurus wirklich?
Jede Zahl gehört zu einem anderen Skelett oder einer anderen Rechenmethode. Eine Zusammenstellung der Fachliteratur zeigt die Bandbreite.
Bei der Länge liegt das kleinste Exemplar (YPM 1930) bei 6,36 Metern. Die meisten Skelette messen 7,4 bis 7,9 Meter. Ein Tier (AMNH 680) kommt auf 9,7 Meter. Den Höchstwert von 10,4 Metern nennen Molina-Pérez und Larramendi, er ist eine Schätzung. Die kleinste Zahl entspricht anderthalb Mittelklassewagen, die größte fast einem Linienbus.
Beim Gewicht gibt es drei Lager:
- 700 bis 952 Kilogramm: etwa so viel wie ein Hausrind.
- 1.400 bis 1.700 Kilogramm: das Gewicht eines Mittelklassewagens. Hier liegen die meisten Studien.
- 2.090 bis 2.900 Kilogramm: so viel wie ein großer Geländewagen.
Oft liest man auch von 12 Metern und 4 bis 5 Tonnen. Solche Werte nennt keine der ausgewerteten Studien für Allosaurus fragilis. Sie liegen über der gesamten Spanne.
Ein dritter Weg führt über den Oberschenkelknochen. Aus seinem Umfang lässt sich das Gewicht schätzen. Bei einem Knochen von 700 Millimetern Länge ergab das 899 Kilogramm, bei einem von 571 Millimetern 452 Kilogramm. Der Oberschenkelknochen eines Giganotosaurus misst dagegen 1.374 Millimeter. Das ist fast das Doppelte.

Ein schlanker Körper mit langem Schwanz
Allosaurus lief auf zwei Beinen. Sein Hals bildete eine S-Kurve. Der lange Schwanz hielt den Körper im Gleichgewicht. Die Hinterbeine waren verhältnismäßig groß und trugen mit drei Zehen das Gewicht (Reolid et al. 2021).
Die Arme waren für einen großen Raubdinosaurier lang und trugen drei Finger. Eine Studie an 61 Raubdinosaurier-Arten setzt Schädel- und Armlänge ins Verhältnis. Ab einem Wert von 1,0 gilt ein Arm als verkürzt. Allosaurus liegt zwischen 0,813 und 0,892, seine Arme gelten also nicht als verkürzt. Die Hand machte 44 Prozent der Armlänge aus. Bei Giganotosaurus und seinen nächsten Verwandten sind es nur 34 Prozent.
Der Kopf war kurz und leicht, aber kräftig gebaut. Der Schädel eines 7,9 Meter langen Tieres war gut 80 Zentimeter lang, etwa so lang wie ein Skateboard. Die Zähne waren scharf und gesägt. Das Jochbein reichte bis an das große Fenster vor dem Auge. Das zeigten Schädel aus mehreren Sammlungen.
Auf den Zahnkronen großer Tiere sitzen feine Falten im Schmelz. Bei kleineren Tieren fehlen sie fast ganz. Solche Falten kennt man auch von Giganotosaurus und Verwandten. Sie sind aber kein Erkennungszeichen dieser Gruppe. Ein einzelner gefalteter Zahn beweist also keinen Verwandten von Giganotosaurus.
Auch der Schwanz verrät etwas. An Wirbeln aus dem Cleveland-Lloyd-Steinbruch fanden Forschende eine Furche, an der vermutlich der wichtigste Beinmuskel ansetzte. Sie zieht sich über die vorderen Schwanzwirbel und verschwindet zwischen dem 24. und 32. Wirbel. So lässt sich ablesen, wie weit der Muskel in den Schwanz reichte.
Wie biss Allosaurus zu?
Ein Rechenmodell zeigte, wie sich beim Zubeißen die Spannung im Schädel verteilt. Beim Tyrannosaurus rex liegt der Druck auf den Nasenbeinen. Bei Allosaurus sitzen die Spitzen an Stirn- und Scheitelbein. Beide sind dick und fest verzahnt. Die zarten Nasenbeine sind kaum belastet (Rayfield 2005).
Wie genau er biss, ist umstritten. Früher verglich man seinen Kopf mit einer Beilklinge, die er im Anlauf in die Beute schlug. Eine spanische Forschergruppe sieht es anders. Nach ihrem Modell biss Allosaurus mit der Kraft seiner Muskeln in leicht gewölbte Flächen, etwa den Körper sehr großer Beutetiere. Die Halsmuskeln drückten dabei den Kopf nach unten. Das ist ein Modell, kein Beobachtungsbefund.
Eine neuere Rechnung stützt den robusten Bau. Alle Schädel wurden dafür auf einen Meter Länge und dieselbe Muskelkraft gebracht. Der kurze, tiefe Schädel von Allosaurus jimmadseni blieb niedrig belastet. Das ist ein Vergleichsverfahren, keine Messung der echten Beißkraft.
Wie schnell wuchs ein Allosaurus?
Forschende schnitten Knochen aus dem Cleveland-Lloyd-Steinbruch auf und zählten die Wachstumsringe. Die größten Tiere der Probe waren 13 bis 19 Jahre alt. Mit etwa 15 Jahren wuchsen sie am schnellsten und legten rund 148 Kilogramm im Jahr zu. Das ist etwa so viel wie ein Mastschwein.
Aus noch größeren Knochen schließen die Autoren auf ein Höchstalter von 22 bis 28 Jahren. Die Studie trennt nicht zwischen den heute unterschiedenen Arten.

Wie viele Arten gibt es – und welche heißt fragilis?
Marsh beschrieb die Gattung 1877 nach einem Bruchstück aus der Morrison-Formation. Der Holotyp ist nicht diagnostisch. Er erlaubt also keine eindeutige Artbestimmung. Deshalb gibt es einen Antrag auf einen Neotyp, einen Ersatz-Typ (Chure & Loewen 2020). Eine neuere Studie führt das Skelett USNM 4734 als Neotyp (Burigo & Mateus 2025).
Seit 1877 wurden 19 Arten benannt. Zwei unabhängige Studien erkennen nur drei an:
- A. fragilis: die klassische Art der Morrison-Formation.
- A. jimmadseni: 2020 beschrieben. Der Jochbein-Unterrand verläuft fast gerade, und die Nasenbeine tragen dünne Kämme. Zu ihr gehören „Big Al“ und „Big Al II“ (siehe unten).
- A. europaeus: die Art aus Portugal. Sie ist die Schwesterart von A. jimmadseni.
Die Namen A. atrox, A. amplus und A. lucasi tragen keine eigenen Merkmale. Sie gelten als nicht verwendbar (nomina dubia). Ein Fund aus Japan, der einst als Allosaurus galt, gehört zu Segnosaurus (Burigo & Mateus 2025).
Dazu kommt ein Streitfall. 2024 beschrieben Danison und Kollegen Allosaurus anax aus Oklahoma. Die Knochen liefen bis dahin unter dem Namen Saurophaganax. Aus drei Oberschenkelknochen schätzen die Autoren 3.776 bis 4.634 Kilogramm. Das ist etwa das Gewicht eines Elefantenbullen. Sie halten Saurophaganax für einen unbrauchbaren Namen. Burigo und Mateus sehen das anders und führen Saurophaganax weiter als gültige Gattung. Ihre Arbeit erschien nur gut eine Woche später und geht auf A. anax nicht ein. Beide Sichtweisen stehen derzeit nebeneinander.
Wer waren „Big Al“ und „Big Al II“?
Gleich mehrere berühmte Skelette gehören zu A. jimmadseni. Die Entdeckungsgeschichten stehen in der Erstbeschreibung der Art.
Der Holotyp (DINO 11541) wurde am 15. Juli 1990 im Dinosaur National Monument in Utah gefunden. An der Oberfläche lagen nur ein paar Zehenglieder und Schwanzwirbel, etwa sechs Meter über dem Boden in einer steilen Felswand. Die Ausgrabung dauerte bis 1994. Der Körper wurde in einem einzigen Block von 2.700 Kilogramm per Hubschrauber geborgen. Der Schädel fehlte. 1996 spürte ihn eine Strahlungsmessung knapp unter der Oberfläche der Wand auf.
„Big Al“ (MOR 693) wurde 1991 in Wyoming entdeckt und galt lange als A. fragilis. Mit „Big Al II“ (SMA 0005) fanden dieselben Schweizer Ausgräber ein weiteres, größeres Tier. Es war 7,6 Meter lang und steht im Sauriermuseum Aathal.
An „Big Al II“ fanden Forschende Spuren von Verletzungen an Unterkiefer, Hals, Rippen, Schulter, Oberarm, Sitzbein und Zehen. Bis auf das Sitzbein heilten alle Verletzungen. Der Sitzbeinbruch könnte tödlich gewesen sein. Dass das Tier so viele Verletzungen überlebte, könnte für Gruppenverhalten sprechen. Es könnte aber auch an einem Stoffwechsel liegen, der lange ohne Nahrung auskommt, oder an Aasfressen. Das ist eine Deutung aus den Knochen, kein Beleg für Rudeljagd.
Was stand auf dem Speiseplan?
Hinweise liefern Bissspuren. Forschende fanden 68 Sauropodenknochen von 40 Tieren aus der Morrison-Formation mit Zahnspuren von Raubdinosauriern. Als Täter kommen Allosaurus, Ceratosaurus, Marshosaurus und Torvosaurus infrage. Eine Art lässt sich kaum bestimmen. Enge Rillen passen zu Allosaurus oder Ceratosaurus, die größten zu Torvosaurus oder einem sehr großen Allosaurus.
Keine der Spuren zeigt Heilung. Die Autoren deuten das so: Die Räuber bissen vermutlich in Aas großer Sauropoden und bevorzugten junge Tiere. Zu den Langhälsen derselben Formation gehören Apatosaurus, Camarasaurus und Diplodocus. Das ist eine Deutung aus Spuren, kein Nachweis einzelner Jagdszenen.

Wo und mit wem lebte Allosaurus?
Im Oberjura Nordamerikas lebte Allosaurus neben Torvosaurus, riesigen Sauropoden sowie großen Panzerdinosauriern und Ornithopoden. Für ein Räuber-Beute-Verhältnis gibt es reichlich Belege. Die Gattung entstand nach den Stammbaumdaten in Nordamerika und kam spätestens im späten Kimmeridgium nach Europa (Burigo & Mateus 2025).
Dort fand der Sammler Aart Walen 2003 an der Praia de Vale Frades bei Lourinhã Schädelteile. Sie wurden 2006 als Allosaurus europaeus beschrieben. Auch Torvosaurus und Ceratosaurus lebten damals in Portugal. Die Raubdinosaurier-Fauna dort ähnelt der der Morrison-Formation auffällig. Die Forschenden schlossen daraus auf eine Landverbindung zwischen Nordamerika und der Iberischen Halbinsel.
Allosaurus oder T. rex: Was unterscheidet beide?
Zwischen beiden liegen rund 80 Millionen Jahre. Allosaurus lebte im Oberjura, der Tyrannosaurus rex vor etwa 68 bis 66 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit. Ein T. rex wog nach gängigen Schätzungen 6 bis 8,8 Tonnen, ein Allosaurus meist weniger als 3. Der T. rex hatte winzige Arme, Allosaurus dagegen lange.
Auch der Schädel war anders gebaut. Beim T. rex trugen die verwachsenen Nasenbeine die Last, bei Allosaurus Stirn- und Scheitelbein. Mehr zum Vergleich steht im Artikel zum Tyrannosaurus rex.
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Den bekanntesten Gegenspieler finden Sie im Artikel zum Tyrannosaurus rex. Einen größeren Verwandten beschreibt der Artikel zum Giganotosaurus. Zur Beute zählten wohl die Sauropoden Apatosaurus, Camarasaurus und Diplodocus. Die europäische Art hat in meinem Wiki einen eigenen Eintrag, ebenso Allosaurus jimmadseni, Allosaurus anax und Saurophaganax und werden hier demnächst veröffentlicht.
Bildquellen:
Skelett eines Allosaurus fragilis: No machine-readable author provided. Sheep81~commonswiki assumed (based on copyright claims)., Public domain, via Wikimedia Commons
Beitragsbild: This photo was taken by Przemysław JahrAutorem zdjęcia jest Przemysław JahrWykorzystując zdjęcie proszę podać jako autora:Przemysław Jahr / Wikimedia Commons, Public domain, via Wikimedia Commons
