Velafrons
Velafrons: Ein Entenschnabeldino mit Segelstirn
Sein Name bedeutet „Segelstirn“. Auf dem Kopf trug Velafrons einen fächerförmigen Kamm. Gefunden wurde er in Mexiko, und er war noch nicht ausgewachsen. Wie der Kamm im Alter aussah, weiß bis heute niemand.

Auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Name | Velafrons coahuilensis („Segelstirn aus Coahuila“) |
| Gruppe | Entenschnabeldinosaurier mit Kamm (Lambeosaurinae) |
| Länge | ca. 6,5 m (Schätzwert, nicht aus der Fachliteratur) |
| Gewicht | ca. 1,8 t (Schätzwert, nicht aus der Fachliteratur) |
| Fundort | Rincón Colorado, Bundesstaat Coahuila, Mexiko |
| Zeitalter | späte Oberkreide, vor etwa 73 Millionen Jahren |
| Nahrung | Pflanzen |
| Fossilien | ein Tier: Teilschädel und Teile des Skeletts |
Wie sieht ein Dino mit Fächerkamm aus?
Velafrons gehört zu den Haubendinosauriern. Das sind Entenschnabeldinosaurier mit einem hohlen Kopfkamm. Bei Velafrons war der Kamm ein flacher Fächer aus Nasen- und Zwischenkieferknochen. Er erinnert eher an Corythosaurus als an Lambeosaurus.
Der Name „Entenschnabel“ hat einen Grund. Am Rand des Zwischenkiefers sitzen sechs große Zacken. Daran hielt vermutlich ein Hornschnabel.
Das Nasenloch war etwa 25 Zentimeter lang. Das ist länger als die kurze Seite eines A4-Blatts. Der Unterkiefer maß 37 Zentimeter, und seine Zahnreihe zählte 34 Zahnpositionen. Zähne blieben im Unterkiefer nicht erhalten.
Vom Rest des Körpers weiß man wenig. Die Fachleute beschrieben 2007 nur den Schädel. Erst 2021 folgten die Beckenknochen: Das Darmbein ist 690 Millimeter lang. Das Sitzbein endet in einem „Fuß“ ohne „Ferse“, genau wie bei Corythosaurus.
Die Zahlen zu Länge und Gewicht stammen aus unserer Artendatenbank. Die Fachliteratur nennt sie nicht. Mit 6,5 Metern wäre Velafrons länger als ein Kleintransporter gewesen. Mit 1,8 Tonnen hätte er so viel gewogen wie ein Flusspferd. Weil das Tier noch wuchs, ist die Größe eines Erwachsenen offen.

Warum ist ein Jungtier trotzdem eine eigene Gattung?
Hier liegt der Kniff. Kämme verändern sich im Wachstum stark. Deshalb taugen sie bei einem jungen Tier schlecht zur Bestimmung. Die Forschenden stützten sich daher auf Knochen, die sich beim Wachsen kaum verändern.
Drei Merkmale machten den Unterschied:
- Am Quadratbein, einem Knochen des Kiefergelenks, ist eine Aussparung auffallend schmal.
- Hinter dem Auge steigt ein Knochenfortsatz steil nach oben.
- Das Zungenbein endet vorn rund statt eckig.
Dazu kommt eine „Klammer“ am Nasenknochen, die bei Jungtieren üblich ist. Velafrons trug sie länger als seine Verwandten. Drei Erklärungen sind möglich. Der Kamm blieb klein, er wuchs spät in einem Schub, oder Velafrons wuchs schneller und wurde größer als die anderen. Was stimmt, ist ungeklärt.
Ein Hinweis kommt aus Presa San Antonio. Dort beschrieben Forschende 2021 ein Becken, das größer ist als das des Holotyps. Es könnte von einem erwachsenen Velafrons stammen. Ohne Schädelknochen bleibt es aber bei „Lambeosaurinae, nicht näher bestimmt“.
Wie fand man das Skelett?
Die Suche dauerte zehn Jahre. Von 1992 bis 2001 grub ein Team in Steinbruch 7A bei Rincón Colorado. Es barg ein weitgehend vollständiges Rumpfskelett, aber keinen Schädel. Den Schädel fand erst 2002 eine gemeinsame Expedition aus Utah, Kanada und Mexiko. Er war in Teile zerfallen und von einer dicken Eisenkruste überzogen.
Im Gestein steckten Muscheln und Schnecken aus Brackwasser. Der Fundort lag also in einem Küstenbereich mit leicht salzigem Wasser.
Heute gilt der Holotyp als das vollständigste Typusexemplar unter Mexikos benannten Dinosauriern.
Wer ist mit Velafrons verwandt?
Nächster bekannter Verwandter ist Magnapaulia aus Baja California. Beide bilden eine südliche Gruppe von Haubendinosauriern. Sie sind die Schwestern der nördlichen Gruppe um Corythosaurus und Lambeosaurus. Der gemeinsame Vorfahr lebte vermutlich in ganz Nordamerika. Später trennte sich die Gruppe in Nord und Süd.
Magnapaulia war deutlich größer. Das größte Tier brachte es auf etwa 12,5 Meter. Außerdem steht ein Ast des Oberkiefers bei Velafrons waagerecht, bei Magnapaulia zeigt er nach unten.

Wie sah seine Welt aus?
Velafrons lebte in einer Küstenebene am Rand der Tropen. Das Meer drang immer wieder vor und zog sich zurück. Im Boden liegen Ammoniten, Mosasaurier, Schildkröten und Krokodile.
Die Formation ist heute die hadrosaurierreichste Fundstelle Mexikos. Zu den Nachbarn zählte ein Tyrannosauride, 2024 als Labocania aguillonae beschrieben. Dass er Velafrons jagte, ist nicht belegt. Belegt ist nur, dass beide im selben Lebensraum vorkamen.
Zur gleichen Zeit lebte Parasaurolophus tubicen im heutigen New Mexico, ebenfalls ein Haubendinosaurier, aber mit einem langen Rohrkamm.
Mehr zum Thema auf urzeittiere.net
- Lambeosaurus – nördlicher Haubendinosaurier mit anderem Kamm.
- Parasaurolophus – Zeitgenosse im heutigen New Mexico, mit Rohrkamm.
Bildquellen:
Velafrons Schädel: Juan Carlos Fonseca Mata, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Velafrons Skelett: RogelioReyna, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons
