Ankylosaurus
Ankylosaurus: Gepanzerter Gigant mit einer Schwanzkeule wie eine Abrissbirne
Nur drei Fossilien. Kein einziger vollständiger Schädel. Und trotzdem kennt fast jeder sein Bild: dick gepanzert, mit einem Schlaghammer am Schwanzende. Ankylosaurus magniventris ist einer der bekanntesten Dinosaurier überhaupt. Und gleichzeitig einer der am schlechtesten belegten. Vieles, was im Netz als „Ankylosaurus“ kursiert, zeigt in Wahrheit einen Verwandten: Euoplocephalus.

Auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Länge | ca. 6–6,5 m* |
| Gewicht | nicht belastbar geschätzt* |
| Fundort | Hell-Creek- und Scollard-Formation, Nordamerika |
| Zeitalter | Oberkreide, ca. 68–66 Mio. Jahre |
| Nahrung | Pflanzenfresser |
| Besonderheit | größter bekannter Ankylosauride, mit einzigartiger Schwanzkeule |
*Zu Länge und Gewicht: Im Netz kursieren Werte von 6 bis 8 Metern und bis zu 8 Tonnen. Eine gezielte Suche in Fachzeitschriften fand dafür aber keine eigene Studie zu diesem Tier. Die Zahlen gehen wohl auf Kenneth Carpenters Neubeschreibung von 2004 zurück. Die lag uns hier nicht im Volltext vor. Wir nennen deshalb bewusst keinen festen Wert, statt eine ungeprüfte Zahl weiterzugeben.

Warum ist von Ankylosaurus so wenig übrig?
Barnum Brown beschrieb die Art 1908. Er hatte dafür nur ein Schädeldach, ein paar Rippen und Panzerplatten. Bis heute gibt es nur diese eine Art. „Ankylosaurus-Arten“ im Plural sind also ein Irrtum.
Der Grund dafür: Michael Vickaryous und Anthony Russell beschrieben 2003 den Schädel eines nahen Verwandten neu, Euoplocephalus. Von ihm gibt es Dutzende gute Funde. Die Forscher machten ihn so zum Vorbild für die ganze Gruppe. Der Grund: Von den meisten anderen Arten ist schlicht zu wenig übrig. Viele „Ankylosaurus“-Bilder im Netz zeigen deshalb in Wahrheit Euoplocephalus.
Ein Detail beweist ihn trotzdem eindeutig: die Form seiner Schwanzwirbel. Bei den meisten Verwandten bilden sie ein enges V. Der Winkel liegt bei 22 bis 26 Grad. Bei ihm öffnet sich daraus ein breites U von rund 60 Grad.
Die Schwanzkeule: Waffe, Signal oder beides?
Die Schwanzkeule ist das Markenzeichen der Gruppe. Sie hat zwei Teile: den Handle aus versteiften Schwanzwirbeln und den Knob, den eigentlichen Schlagkopf. Von ihm selbst ist nur ein einziges, noch junges Stück bekannt. Sein Knob war etwa 450 Millimeter breit. Das ist ungefähr so breit wie ein Basketballkorb. Die größten bekannten Keulenköpfe naher Verwandter sind sogar 620 Millimeter breit. Das ist etwa der Durchmesser eines Autoreifens.
Wozu diente sie? Das ist trotz langer Forschung nicht geklärt. Neue Modellrechnungen zeigen: Mittelgroße Knäufe hielten kräftigen Schlägen stand. Sehr große waren bei voller Wucht bruchgefährdet. Andrew Farkes Übersichtsstudie hält eine Kampffunktion für plausibel. Sie nennt aber zwei Haken. Die Keule fehlt bei jungen Tieren komplett. Und ihre Form ändert sich stark von Art zu Art. Beides spricht gegen eine reine Waffe. Diskutiert werden auch Kämpfe unter Rivalen und reine Signalwirkung. Victoria Arbour und Lindsay Zanno zeigten 2019 etwas Erstaunliches: Die Keule gleicht dem Schwanz der alten Glyptodonten stark. Diese Panzertiere waren aber nicht mit unserem Dino verwandt. Beide fanden also unabhängig dieselbe Lösung.
Der oft gehörte Satz „Die Keule diente der Abwehr von Tyrannosaurus Rex“ ist also eine gute Idee. Ein bewiesener Fakt ist er nicht.

Ist das wirklich der „Dino mit der Keule“?
Viele suchen online nicht nach „Ankylosaurus“. Sie suchen nach dem „Dino mit der Keule“ oder dem „Dinosaurier mit dem Keulenschwanz“. Meistens landen sie trotzdem bei ihm. Zu Recht: Kein anderes Merkmal gehört so eng zu ihm.
Trotzdem gibt es von seiner Keule kaum etwas. Nur ein einziges Stück ist bekannt, und das stammt von einem jungen Tier. Der Knob war damals rund 450 Millimeter breit. Wie groß der Schlagkopf bei einem erwachsenen Ankylosaurus wurde, weiß bis heute niemand.
Nur ein Detail ist bei ihm ganz sicher: die Form seiner Schwanzwirbel. Sie bilden ein breites U von rund 60 Grad. Bei den meisten Verwandten ist es dagegen ein enges V. Alles andere an seiner Keule stammt, mangels erwachsener Funde, von Verwandten oder bleibt offen.
Konnte Ankylosaurus überhaupt schwimmen?
Sein ganzer Rücken, Kopf und Schwanz trug knöcherne Platten. Er war dichter gepanzert als fast jeder andere Dinosaurier. Eine Studie von Asier Larramendi und Kollegen kommt zu einem klaren Schluss. Solche Tiere waren wohl die dichtesten Dinosaurier überhaupt. Dichter noch als heutige Flusspferde.
Diese Panzerung hatte wohl einen Preis: Schwimmen kam für so einen schweren Körper kaum infrage. Ein beliebtes Modell erklärt so rückenliegend gefundene Fossilien: Kadaver blähen sich auf, treiben im Wasser und drehen sich auf den Rücken. Larramendi und Kollegen halten dieses Modell aber für unrealistisch. Die Idee, er sei ein guter Schwimmer gewesen, ist also alles andere als gesichert.
Wozu diente die geschlängelte Nase?
Von ihm selbst fehlt ein CT-Bild des Schädels. Auch hier gelten Befunde von Euoplocephalus nur mit Vorsicht als Vorlage. Eine CT-Studie zeigt bei ihm einen stark geschlängelten Nasengang. Naheliegend wäre: besseres Riechen. Doch der Riechbereich liegt getrennt vom Hauptluftweg. Wahrscheinlicher sind zwei andere Jobs: der Wärme- und Wasserhaushalt, oder ein Klangraum für Rufe. Auch Kraniche nutzen heute geschlängelte Nasenwege für ihre Laute.
Was stand wirklich auf dem Speiseplan?
Klar ist: Er war Pflanzenfresser. Trotzdem sucht mancher online nach „Ankylosaurus Fleischfresser“. Er war wohl kein Fan von zähem Holz. Lieber fraß er weiche Blätter und Früchte. Funde bei nahen Verwandten zeigen eine kräftige, fleischige Zunge. Sie half wohl beim Zupfen von Pflanzen. Seine Zähne waren klein. Sie wurden nur langsam ersetzt – ein Zeichen für wenig Kaukraft.
Nachbarn am Ende der Kreidezeit
Ankylosaurus lebte in den letzten ein bis zwei Millionen Jahren vor dem großen Massenaussterben. Seine Heimat waren Wälder und Flussebenen im heutigen Montana und Alberta. Dort traf er auf Tyrannosaurus Rex, Triceratops und Edmontosaurus.
Fossilien seiner Gruppe sind insgesamt sehr selten. Eine Studie zur nahen Frenchman-Formation in Saskatchewan zeigt das deutlich. Dort fanden Forscher kein einziges vollständiges Skelett dieser Gruppe. Von Hornträgern, Entenschnäbeln und Raubdinosauriern derselben Zeit dagegen schon. Das erklärt zum Teil, warum von ihm so wenig übrig ist.
Mehr zum Thema auf urzeittiere.net
- Tyrannosaurus Rex – lebte in derselben Hell-Creek-Fauna, war aber ein völlig anderer Gegner: schnell, bissstark, ungepanzert.
- Triceratops – ebenfalls Pflanzenfresser derselben Zeit und Region, setzte statt auf Panzerung auf Hörner und einen Nackenschild.
Bilquellen:
Größenvergleich: User:Slate Weasel, Public domain, via Wikimedia Commons
Anordnung der Osteoderme bei Ankylosaurus magniventris: Victoria M. Arbour, Jordan C. Mallon, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Schwanzkeule des Ankylosaurus: Ryan Somma, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

