Koleken inakayali: Der hornlose Vetter des Carnotaurus
Ein Fleischfresser ohne Hörner. Kaum größer als ein Kleinbus. Er lebte vor rund 70 Millionen Jahren in Patagonien – Tür an Tür mit Carnotaurus. Gefunden wurden seine Knochen schon 2015. Einen Namen bekam er erst 2024.

Auf einen Blick
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Länge | ca. 4,97 m (einziges bekanntes Tier, noch nicht ausgewachsen) |
| Gewicht | keine sichere Schätzung vorhanden |
| Fundort | La-Colonia-Formation, Chubut, Patagonien (Argentinien) |
| Zeitalter | Oberkreide, ca. 69–72 Mio. Jahre |
| Nahrung | Fleischfresser |
| Besonderheit | naher Verwandter von Carnotaurus, aber ohne Hörner |
Ein Gewicht in Kilo fehlt in der Tabelle absichtlich. Dazu gibt es keine verlässliche Studie. Zahlen wie „1.000 kg“ kursieren zwar im Netz. Sie stammen aber nur aus Social Media. Oft werden sie mit dem viel größeren Carnotaurus verwechselt.
Neun Jahre zwischen Fund und Namen
2015 fanden Forschende Knochen im Gebiet Cerro Bayo Norte. Das liegt in der Provinz Chubut. Die Knochen steckten in Tonstein. Dort floss einst ein Fluss ins Meer. Vermutlich schwemmte der Fluss den toten Körper an diese Stelle. Kurz danach wurde er begraben. Das erklärt wohl, warum gerade der hintere Teil des Skeletts so gut erhalten blieb.
Einen Namen bekam das Tier erst 2024. Ein Team um Diego Pol beschrieb die neue Art in der Fachzeitschrift Cladistics. Der Fund trägt die Nummer MPEF-PV 10826. Er liegt in einem Museum in Trelew – demselben Haus, das auch den Carnotaurus-Fund zeigt.

Ein Name aus Ton, Wasser und Widerstand
Der Name Koleken kommt aus der Sprache der Teushen. Das ist ein indigenes Volk aus Patagonien. Das Wort bedeutet „aus Ton und Wasser kommend“. Es spielt auf das tonige Gestein an, in dem das Fossil lag.
Der zweite Teil des Namens, inakayali, ehrt einen Menschen. Inakayal war ein Häuptling der Tehuelche. Er kämpfte im 19. Jahrhundert gegen die argentinische Armee. Nach seinem Tod 1888 lag sein Skelett jahrzehntelang in einem Museum. Erst 1994 kam es zurück zu seinem Volk und wurde bestattet.
Warum fehlten Koleken die Hörner?
Carnotaurus trägt zwei auffällige Stirnhörner. Koleken hat keine. Sein Stirnbein ist einfach sanft gewölbt. Nur ein kleiner Höcker sitzt darauf. Am Nasenbein ist der Knochen rau. Das könnte laut Everything Dinosaur auf einen kleinen Wulst oder Grat entlang der Schnauze hindeuten – eine feste Aussage dazu lassen die Funde aber nicht zu.
Auch andere Knochen unterscheiden die beiden Arten. Der Oberkiefer ist bei Koleken glatter. Am Nasenbein verlaufen die Nervenkanäle schräg. Der Knochen hinter dem Auge ist besonders flach. Diese Unterschiede zeigen sich an mehreren, unabhängigen Stellen im Skelett. Deshalb halten es Forschende für unwahrscheinlich, dass Koleken nur ein anders gebautes Geschlecht von Carnotaurus war.
War das Fundtier überhaupt erwachsen?
Nein. Und genau das macht den Fund spannend. Ein Dünnschliff durch das Schienbein zeigt feine Wachstumslinien. Sie verraten das Mindestalter: sechs Jahre. Ein bestimmtes Knochenmuster fehlt aber. Es zeigt sich sonst nur, wenn das Wachstum ganz zum Stillstand kommt. Auch einzelne Wirbel waren noch nicht fest verwachsen.
Das Tier wuchs also noch. Die 4,97 Meter aus der Tabelle gelten deshalb nur für dieses eine, junge Tier. Wie groß ein erwachsener Koleken wurde, weiß niemand. Vermutlich war er etwas größer. Die Ausmaße von Carnotaurus erreichte er aber wohl nie.
Löwe und Leopard der Kreidezeit
Lange dachten Forschende: Ein Lebensraum, ein Spitzenräuber. Koleken und Carnotaurus zeigen etwas anderes. Beide lebten nebeneinander. Doch sie jagten offenbar unterschiedlich. Carnotaurus war mit 7,5 bis 9 Metern der größere Jäger. Er erbeutete wohl junge Titanosaurier. Koleken war mit rund 5 Metern kleiner. Auf seinem Speiseplan standen wohl kleinere Titanosaurier, junge Hadrosaurier, Schildkröten, Schlangen und frühe Säugetiere.
Die Forschenden selbst ziehen einen Vergleich: Löwe und Leopard. Beide Katzen teilen sich heute denselben Lebensraum in Afrika. Doch sie jagen unterschiedlich große Beute. Genauso lebten wohl Koleken und Carnotaurus. Zu ihren Nachbarn zählten außerdem Plesiosaurier, Krokodile und Vögel. Kurz vor dem Ende der Dinosaurier war dieses Ökosystem also erstaunlich artenreich.
Verwandtschaft im Stammbaum
Koleken gehört zu einer Gruppe namens Furileusauria. Dazu zählen fast alle südamerikanischen Abelisauriden aus der spätesten Kreidezeit. Zusammen mit Carnotaurus und Aucasaurus bildet Koleken eine engere Gruppe: die Carnotaurini.
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- Carnotaurus – der größere, gehörnte Nachbar aus derselben Formation, bekannt für seine winzigen Arme und die berühmteste Haut der Dinosaurierzeit.
- Aucasaurus – ein weiterer Verwandter innerhalb der Carnotaurini aus der spätkreidezeitlichen Fauna Patagoniens.
Bildquellen:
Beitragsbild: Ddinodan, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
Koleken „Aus Ton und Wasser“ :TotalDino, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons
